René Reinicke
Paul René Reinicke (häufig als René Reinicke geführt) war ein herausragender deutscher Genremaler, Figurenmaler und einer der populärsten Illustratoren des humorvollen Realismus und des Jugendstils. Geboren wurde er 1860 in Strenznaundorf (Provinz Sachsen). Seine künstlerische Ausbildung begann an der Kunstschule Weimar bei Prof. Struys, wo er um 1883/84 ein Diplom erhielt. Er setzte seine Studien an der Kunstakademie Düsseldorf bei Eduard von Gebhardt fort, bevor er ab 1884 an der https://www.adbk.de/de/akademie/archiv-historisches/chronik.html bei Prof. Piglhein sein Zentrum fand.
Eine prägende Phase war seine Studienreise 1885/86 nach Palästina und Jerusalem, wo er gemeinsam mit Bruno Piglhein Studien für das monumentale "Jerusalem-Panorama" anfertigte. Nach seiner Rückkehr wurde München seine Hauptwirkungsstätte (Atelieradresse war zeitweise Lindbrunnstraße 53/3).
Sein künstlerisches Schaffen wurde mehrfach offiziell gewürdigt: Im Jahr 1890 erhielt er ein Ehrendiplom der Dresdner Kunstgenossenschaft für hervorragende Leistungen in Aquarellen und Radierungen. Seine wichtigste nationale Auszeichnung war die Kleine Goldmedaille, die er 1897 auf der Großen Berliner Kunstausstellung für seine Original-Zeichnungen erhielt. Den Höhepunkt seiner akademischen Anerkennung erreichte er am 2. März 1910, als ihm Prinzregent Luitpold von Bayern per Urkunde den Titel Königlich Bayerischer Professor verlieh. Im Jahr 1904 war er zudem Mitbegründer des Vereins Münchner Aquarellisten. Reinicke starb 1926 in Steingaden/Wildsteig, Oberbayern.
Als Maler ist Reinicke für Werke wie "In Gedanken" (1895) und "Der Marienplatz in München bei Nacht" (1903) bekannt, die beide in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (Pinakothek) zu finden sind. Er war ein Realist mit gedämpfter Farbgebung, der Genreszenen und Gesellschaftsstücke schuf.
Sein Ruhm als Illustrator ist eng mit der Satirepresse verbunden: Er war ein langjähriger Hauptzeichner der "Fliegenden Blätter" und lieferte Beiträge für den "Simplicissimus" und die "Jugend". Sein zentrales illustratives Werk ist das Mappenwerk "Spiegelbilder aus dem Leben" (1890). Seine internationale Anerkennung zeigte sich in seiner Mitarbeit am renommierten "Scribner's Magazine" in den USA (New York) ab 1908 sowie der Beachtung seiner Werke in Wien und Paris. Archivspuren seiner Briefkorrespondenz mit Kollegen sind im Kalliope-Verbundkatalog verzeichnet.